Annäherung an einen afroamerikanischen Komponisten und Musiker im Spiegel rassistischer Unterdrückung – von der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung bis „Black Lives Matter“

Mit dem letztjährigen Darmstädter Jazzforum „Heimat – wie offen ist der Jazz?“ ist auch die Debatte um kulturelle Identität und Aneignung, Kreolisierung und die machtkritische Selbstreflexion der eigenen Rolle in der deutschen Jazzszene angekommen. Diese Debatte steht bundesweit erst am Anfang, verbleibt bisher weitgehend im kleinen, akademisch-kulturwissenschaftlichen Raum. Sie hat bisher nicht die Basis der Jazzszene in Gestalt der Clubs erreicht, die eine wichtige Vermittlerrolle zum Jazzpublikum spielen können.

Wir wollen diese Debatte aufgreifen und zu ihrer Verbreitung beitragen, indem wir zugleich an den hundertsten Geburtstag des afroamerikanischen Komponisten und Musiker Charles Mingus erinnern. Wie kein anderer hat er das Leiden – und zwar auch sein persönliches – an Strukturen rassistischer Unterdrückung artikuliert, wie seine Autobiografie belegt. Zugleich gilt sein Werk als Musterbeispiel für eine musikalisch-politische Komposition.

Alltägliche Rassismus und Ausgrenzung finden im musikalischen Oeuvre einen starken Widerhall. In der Tradition der “Great Black Music” sucht Mingus entlang einer Linie von Blues und Gospel über Duke Ellington, Charlie Parker und Third Stream Music seine eigenen musikalische Wege. Der wütende Protest gegen die rassistische Diskriminierung schlägt sich in seiner eruptiven Spielweise, die dann zwischen Bebop, Hard-Bop und Free Jazz pendelt nieder. Offensiv prangert er die herrschenden politischen Verhältnisse in seinem Schaffen direkt an. Besonders deutlich im Stück »Fables of Faubus« aber auch in späteren Kompositionen wie »Free Cell Block F ‘Tis Nazi USA«, »Remember Rockefeller at Attica« oder »Black Bat and Poles«.

Die Konzeption des zweitägigen Projekts setzt auf ein innovatives Format der Verbindung von kultureller und politischer Bildung mit Vortrag, Diskussion, Performance, Film und Konzert.

Freitag 13. Mai 2022 | 20 Uhr | Helmholtz-Hörsaal, TU Ilmenau
Kryptografie. Notizen eines alten Mannes, der zufällig Charles Mingus hieß
Michael Riessler (Musik) & Harry Lachner (Text)
Stefan Hunstein (Sprecher), Michael Riessler (bcl), Enrico Melozzi (cello), Lorenzo Riessler (dr)

Samstag 14. Mai 2022 | 15 Uhr | Helmholtz-Hörsaal, TU Ilmenau
Rassismus und Ausgrenzung im Jazz von den Anfängen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung bis Black Lives Matter
Vortrag und Diskussion von und mit Harald Kisiedu

Samstag 14. Mai 2022 | 19 Uhr | Helmholtz-Hörsaal, TU Ilmenau
“I am not your Negro”, Film von Raoul Peck

Samstag 14. Mai 2022 | 21 Uhr | Helmholtz-Hörsaal, TU Ilmenau
Brave New World Trio - David Murray (sax), Brad Jones (b) Hamid Drake (dr)

Die Veranstaltungen gehen auf eine Anregung von Peter Reif-Spirek von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen zurück und werden durch die Bundeszentrale für Politische Bildung gefördert.

Bundeszentrale für politische Bildung Landeszentrale für politische Bildung Thüringen